Wer kontrolliert das Geld?
Stand: Oktober 2026
Kurz gesagt
So funktioniert es
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Länder und Währungsräume prüfen eine CBDC. Sie stehen für über 98 % der Weltwirtschaft (Atlantic Council, Mai 2026).
98.5 %
der eNaira-Wallets in Nigeria blieben in einer typischen Woche ungenutzt (IWF 2023).
17.5 Mio.
Mal wurde 2018 in China der Kauf eines Flugtickets verweigert, wegen Einträgen auf schwarzen Listen.
73.4 %
der Stimmenden verankerten am 8. März 2026 die Versorgung mit Bargeld in der Schweizer Verfassung.
Drei Arten von Geld
Geld ist eine Vereinbarung über Wert. Entscheidend ist, wer die Regeln dieser Vereinbarung festlegt, wer sie ändern darf und wer sehen kann, wofür man es ausgibt.
Das Kontrollspektrum
Je weiter rechts, desto mehr Einsicht und Eingriff durch eine zentrale Stelle.
Bargeld
Münzen und Noten sind direkte Forderungen gegenüber der Zentralbank. Wer sie in der Hand hält, braucht niemanden, um zu bezahlen. Eine Zahlung hinterlässt keine Datenspur und funktioniert ohne Strom und Netz.
Bankgeld
Das Guthaben auf dem Konto ist eine Forderung gegenüber einer Geschäftsbank. Die Bank führt das Konto und ist gesetzlich verpflichtet, Zahlungen zu prüfen und Verdachtsfälle zu melden. Eingriffe wie eine Kontosperre sind nur auf behördliche oder gerichtliche Anordnung möglich, mit festgelegten Verfahren, Fristen und Rechtsweg.
Digitales Geld
Hier trennt sich der Weg. Dezentrales Geld wie Bitcoin folgt Regeln, die im Netzwerk festgelegt sind und keine einzelne Stelle ändern kann. Digitales Zentralbankgeld (CBDC) ist das Gegenteil: Eine einzige Stelle gibt es aus, führt das Register und legt die Regeln fest.
Zentral und dezentral: der Grundunterschied
In einem zentralen System laufen alle Fäden bei einer Stelle zusammen. In einem dezentralen System gibt es diese Stelle nicht.
Zentral gegen dezentral
| Frage | CBDC | Bargeld | Bitcoin |
|---|---|---|---|
| Wer gibt es aus? | Zentralbank | Zentralbank | niemand, festes Protokoll |
| Wer bestimmt die Menge? | Zentralbank, jederzeit änderbar | Zentralbank | Code, maximal 21 Mio. |
| Wer sieht die Zahlung? | Zentralbank, je nach Ausgestaltung | niemand | alle, unter Pseudonym |
| Kann eine Zahlung blockiert werden? | ja, automatisch | nein | kaum, ohne Mittelsperson |
| Kann Guthaben ablaufen? | technisch ja | nein | nein |
| Braucht es Strom und Netz? | ja, offline nur begrenzt | nein | ja |
| Wer ändert die Regeln? | Gesetzgeber und Zentralbank | Gesetzgeber | nur breiter Konsens im Netz |
Was eine CBDC ist
CBDC steht für Central Bank Digital Currency: digitales Geld, das direkt von der Zentralbank ausgegeben wird und eine Forderung gegenüber ihr darstellt, wie Bargeld, nur ohne physische Form.
Zwei Varianten
Wholesale-CBDC
Nur für Banken und Finanzinstitute, zur Abwicklung grosser Zahlungen. Die Schweizerische Nationalbank testet das im Projekt Helvetia. Für Privatpersonen ändert sich wenig.
Retail-CBDC
Für alle Bürgerinnen und Bürger, im Alltag per App oder Karte. Um diese Variante geht es hier, etwa beim digitalen Euro oder beim chinesischen e-CNY.
Warum Zentralbanken sie wollen
Offiziell genannt werden: Bargeld nimmt ab, private Zahlungsanbieter und Stablecoins gewinnen Macht, Zahlungen sollen günstiger, schneller und krisensicher werden, und Menschen ohne Bankkonto sollen Zugang erhalten. Diese Argumente sind ernst zu nehmen. Entscheidend ist, was zusätzlich möglich wird.
«Der entscheidende Unterschied bei einer CBDC ist, dass die Zentralbank die absolute Kontrolle über die Regeln hat, die die Verwendung dieses Geldes bestimmen, und wir werden auch die Technologie haben, um das durchzusetzen.»
Carstens stellte den Satz dem Bargeld gegenüber: Bei einer 100-Dollar-Note wisse niemand, wer sie gerade benutze. Genau diese Eigenschaft fällt bei einer CBDC weg.
Der Kern
Programmierbares Geld
Programmierbar heisst: An jede Zahlung lassen sich Bedingungen knüpfen. Ob sie ausgeführt wird, entscheidet dann eine Regel im System, bevor das Geld fliesst.
Eine Zahlung mit eingebauten Regeln
Schematische Darstellung. Welche Prüfungen ein konkretes System vornimmt, legt dessen Betreiber fest.
Bei Bargeld gibt es diesen Prüfschritt nicht. Bei einer Bankzahlung gibt es ihn teilweise, aber durch Menschen, mit Verzögerung und mit Rechtsweg. Bei programmierbarem Zentralbankgeld läuft er automatisch, in Millisekunden und für alle gleichzeitig.
Was technisch möglich wird
| Funktion | Was sie bedeutet | Gibt es das schon? |
|---|---|---|
| Ablaufdatum | Guthaben verfällt, wenn es nicht bis zu einem Stichtag ausgegeben wird. | Ja. Shenzhen verteilte im Oktober 2020 per Lotterie 10 Mio. Yuan in e-CNY, gültig eine Woche, nur bei ausgewählten Geschäften. |
| Zweckbindung | Geld kann nur für bestimmte Waren oder Dienste ausgegeben werden. | In Pilotprojekten für Subventionen und Gutscheine getestet. |
| Haltelimit | Niemand darf mehr als einen festgelegten Betrag besitzen. | Geplant beim digitalen Euro, diskutiert wurden rund 3'000 Euro pro Person. |
| Negativzins | Guthaben schrumpft automatisch, um Ausgaben zu erzwingen. | Technisch einfach umsetzbar. Bei Bargeld wirkungslos, weil man es abheben kann. |
| Sofortsperre | Ein Konto oder eine Person wird mit einem Klick vom Zahlungsverkehr ausgeschlossen. | Bei Bankkonten bereits praktiziert (siehe Kontosperren). Mit CBDC ohne Mittelsperson. |
| Ortsbindung | Zahlungen nur in einer Region oder innerhalb eines Zeitfensters. | In chinesischen Gutschein-Piloten mit Regionalbindung angewendet. |
Wo die Gefahr liegt
Von der Bequemlichkeit zur Abhängigkeit
Kritiker sprechen im äussersten Fall von digitaler Versklavung: einem Zustand, in dem eine zentrale Stelle bestimmt, ob, wofür, wo und wann ein Mensch sein eigenes Geld ausgeben darf, und Bargeld als Ausweg fehlt. Ob es so weit kommt, hängt an drei Bedingungen: Verschwindet das Bargeld? Wird das Geld mit Identität und Verhalten verknüpft? Fehlen unabhängige Kontrollen? Je mehr davon zutrifft, desto realer wird das Szenario.
Geld, Identität, Gesundheit: die Verknüpfung
Einzeln betrachtet hat jedes System einen nachvollziehbaren Zweck. Die eigentliche Gefahr entsteht dort, wo sie zusammenwachsen.
Drei Systeme, ein Schnittpunkt
Schnittpunkt: Zahlung abhängig von Person und Status.
Programmierbares Geld kann nur dann auf eine Person reagieren, wenn es weiss, wer zahlt. Diese Verbindung schafft die digitale Identität. Kommen weitere Datenquellen hinzu, etwa Gesundheitsdaten, Steuerstatus oder Einträge in Registern, können Zahlungen an Bedingungen geknüpft werden, die mit dem Geld selbst nichts zu tun haben.
Was bereits aufgebaut wird
| System | Stand Oktober 2026 |
|---|---|
| EU-Identitätswallet (eIDAS 2.0) | Jeder EU-Staat muss bis Dezember 2026 eine digitale Identitätswallet anbieten. Ab etwa Dezember 2027 müssen Banken, Telekom, Energie, Verkehr, Gesundheitswesen und grosse Online-Plattformen sie akzeptieren. |
| Schweizer E-ID | Am 28. September 2025 mit 50.4 % Ja knapp angenommen. Freiwillig und kostenlos, verfügbar ab Ende 2026. |
| Europäischer Gesundheitsdatenraum (EHDS) | In Kraft seit März 2025. Ab 2029 sollen Patientenkurzakten und E-Rezepte EU-weit austauschbar sein, ab 2031 auch Bilder, Laborwerte und Spitalberichte. Gegen die Nutzung für Forschung gibt es ein Widerspruchsrecht. |
| Digitaler Euro | EU-Parlament stimmte am 9. Juli 2026 mit 416 zu 169 Stimmen für Verhandlungen. Pilot ab 2027, Ausgabe frühestens 2029. |
Ein Gedankenexperiment
Während der Pandemie war der Zutritt zu Restaurants, Veranstaltungen oder Reisen in vielen Ländern an ein digitales Zertifikat gebunden. Mit einem verknüpften Zahlungssystem hätte dieselbe Regel nicht nur den Zutritt, sondern auch das Bezahlen steuern können, ohne Kontrollperson an der Tür, automatisch, landesweit. Weitere denkbare Regeln: Zahlungen gesperrt bei offenen Steuern, Treibstoffkäufe begrenzt bei CO₂-Kontingent, Spenden blockiert an Organisationen auf einer Liste.
Einordnung
Das Gefahrenpotenzial
Vertiefung
Keine Finanzberatung. Allgemeine Information ohne Gewähr. Krypto-Assets können bis zum Totalverlust an Wert verlieren.
